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Main: KFN-zu-Videoueberwachung

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  1.   1.  Quelle
  2.   2.  Aussagen
    1.   2.1  Ausschnitt ab 15'40"
    2.   2.2  Ausschnitt ab 27'45":

1.  Quelle


Am 6. November 2013 war einer der beiden stellvertretenden Direktoren des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Herr Dirk Baier, zu Gast in einer Diskussionssendung des Deutschlandfunks unter dem Titel "Permanent unter Beobachtung - Bringt mehr Videoüberwachung mehr Sicherheit?"

Im Rahmen seiner Diskussionsbeiträge machte Herr Baier unmissverständlich klar, dass Videoüberwachung im Großen und Ganzen unverhältnismäßig und unsinnig ist.

Die gesamte Sendung lässt sich (leider nur wenige Monate lang nach Einstellung in die DLF-Mediathek) hier als mp3-Datei zum Nachhören herunterladen. (Ansonsten notfalls bei uns darum nachfragen!)

Im folgenden haben wir die zwei wichtigsten Aussagen des promovierten Diplom-Soziologen transkribiert.

2.  Aussagen

2.1  Ausschnitt ab 15'40"

Michael Roehl (DLF): Herr Baier, wir haben es eben gehört: Im präventiven Bereich bringen die Kameras möglicherweise wenig, so habe ich das zumindest verstanden. Es hilft vielleicht dabei, den Täter hinterher auch zu fassen. Wie ist denn aus Forschungssicht der Eindruck? Erstens: Gibt es deutlich mehr Kameras und diese Zunahme ist tatsächlich auch ein bisschen bedenklich? Und zum zweiten, die Zielsetzung, würden sie sagen, da kann man auch ein Fragezeichen hinter setzen?

Dirk Baier (Kriminologisches Forschungs-Institut Niedersachsen): Die Entwicklung in Deutschland ist tatsächlich so, dass die Videoüberwachung zunimmt. Man muss nur sagen, wir sind weit weg von den Verhältnissen anderer Länder. Es ist sehr viel vernünftiger, was hier in Deutschland passiert. Wenn man nach England schaut beispielsweise, da sind Millionen von Kameras in den Innenstädten im Einsatz. Mich als Kriminologe stimmt diese Entwicklung in Deutschland trotzdem nachdenklich. Nicht aus datenschutzrechtlichen Bedenken, sondern aus wissenschaftlichen Bedenken, weil wir wissen, die Videoüberwachung bringt weitestgehend nichts! Sie bringt nichts für Prävention von Taten, sie bringt nichts für die Aufklärung oder relativ wenig für die Aufklärung und auch das Sicherheitsgefühl, was häufig als Argument eingebracht wird, wird nicht gesteigert, sondern wir können sogar teilweise den gegenteilen Effekt feststellen: Da, wo Videoameras sind, da fühlt man sich unsicher, weil man meint, da ist ein gefährlicher Ort - da will ich erst gar nicht hingehen.

2.2  Ausschnitt ab 27'45":

Michael Roehl: Herr Baier, nun haben wir gehört, sie als Forscher haben das eben schon angedeutet. Letztlich bringen die Kameras gar nicht den Erfolg, den man sich davon verspricht. Aus dem Lagezentrum kam der Hinweis: Wir betreiben die, um Straftaten zu verhindern. Wenn ich sie richtig verstanden habe, werden am Ende aber überhaupt keine Straftaten verhindert.

Dirk Baier: Es gibt dahingehend Befunde, dass ganz bestimmte Formen von Straftaten verhindert werden können an ganz bestimmten Orten. Also beispielsweise Autoeinbrüche in Parkhäusern. Da funktionieren Videokameras, wobei man gleichzeitig festgestellt hat, wenn Videokameras installiert werden, dann wird auch die Beleuchtung verbessert, damit die besser aufzeichnen können. Vielleicht ist das alles auch ein Effekt von Beleuchtung und kein Effekt von Videokameras. Also ein Stück weit, eine ganz bestimmte Form von Kriminalität durchaus, wobei die Täter dann oft so klug sind und wissen, wie kann ich die Kameras widerrum umgehen, so dass ich nicht gefilmt werde. Aber in der großen Breite, viele impulsive Straftaten, Gewalttaten beispielsweise, die kann man damit definitiv nicht verhindern.

Michael Roehl: Nun ist auch eben schon das Stichwort Verdrängung von Straftaten angesprochen worden. Heißt das, wenn ganz bestimmte Plätze überwacht werden, dass dann die z.B. einfach die Drogenkriminalität einen Platz weiterzieht?

Dirk Baier: Hier gibt es gerade in Bezug auf Drogendelikten in Bezug auf Obdachlose, auf Gruppen, die sich an diesen Plätzen sammeln. Die werden zu anderen Plätzen ausweichen. Die werden ihren Drogenhandel an anderen Plätzen durchführen, wenn sie wissen da wird etwas intensiver überwacht.

Michael Roehl: Würden Sie denn soweit gehen, dass sie sagen, damit hat sich eigentlich die Grundlage erledigt, dass wir tatsächlich wirklich Videokameras von seite der Polizei brauchen?

Dirk Baier: Wir müssen aufpassen, dass wir die Diskussion nun nicht nur auf die Polizei beziehen. Ich glaube, die Polizei geht schon sehr sorgfältig mit Videokameras um, weiss auch um die Grenzen dieser Technik. Der Wildwuchs im privaten Bereich ist glaube ich eher das Problem, den wir ansprechen müssen. Aber grundsätzlich würde ich mich hinstellen und sagen: Wir brauchen Kameras nicht, weder für Prävention, noch für Aufklärung, noch für die Erhöhung des Sicherheitsgefühls.

Kategorie(n): Videoueberwachung

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Zuletzt geändert am 09.03.2014 19:46 Uhr