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Handytauschboerse

Inhaltsverzeichnis (hide)

  1.   1.  Idee
  2.   2.  Pro
  3.   3.  Contra
  4.   4.  Randbedingungen
  5.   5.  Vorläufiges Fazit der Überlegungen
  6.   6.  Warum das alles?
  7.   7.  Variante mit Internet


Im Rahmen der absehbaren Wiedereinführung der VDS haben wir im Oktober 2013 über die Idee einer Handytauschbörse diskutiert.

1.  Idee


  • IMEI-Nummer gehören zum Datensatz, der von Providern bei Vorratsdatenspeicherung (aber z.T. auch jetzt schon ohne VDS!) erfasst und gespeichert werden
  • Wirklich anonymes Telefonieren ist nicht möglich. Unbefangenheit der Kommunikation kann darunter leiden.
  • Eine Tauschbörse für einfache Handys (keine Smartphones!) könnte hier (in überschaubarem Umfang) helfen.
  • Eine schlanke Struktur für so eine Tauschbörse wäre denkbar: Eine Postadresse, wo mensch sein Handy samt Ladegerät hinsenden kann / Rückporto muss beigelegt werden / dann erhält dieser Mensch ein beliebiges anderes Handy zurück / Irgendwelche Postanschriften werden nicht gespeichert.
  • Anhaltspunkte für ein How-to und/oder Kooperationspartner könnte Patrick sein, der die vormals im AK Vorrat verortete SIM-Karten-Tauschbörse weiter betreibt, siehe hier: http://www.daten-speicherung.de/index.php/kartentausch/
  • Neben einer Orga via Briefpost ist auch eine Tauschbörse als Angebot auf speziellen Veranstaltungen denkbar, z.B. auf Kongressen, Veranstaltungen, zu Demos oder Treffen - das würde die Vertrauenswürdigkeit evtl. erhöhen.

2.  Pro


  • Ermöglichung anonymerer Kommunikation
  • Politische Aussage der Aktion gegen die VDS
  • Auf jeden Fall kann so eine Tauschbörse Sinn bei Demos machen, wenn z.B. die Demoorga nicht ihren privaten Handy benutzen möchte.

3.  Contra


  • Orga-Aufwand
  • Echte Anonymität nicht möglich, weil bei normalem Gebrauch in aller Regel über Funkzellen-Identifizierung, SIM-Karten Nummer oder Kontaktverhalten bzw. -netzwerk recht schnell klar ist, wer dahinter steckt. (Zumindest, wenn man etwas Arbeit Rechenpower (NSA) in eine solche Untersuchung steckt ...)
  • Risiko für Orga-Betreiber?
  • Vertrauensproblem: Wer kann versichern, dass dieses System nicht unterwandert wird? Also dass z.B. Verfassungsschutz Handys mit registrierten IMEIs einbringt? Oder dass die Handys z.B. nicht mit Hintertür-Software/-Betriebssytemen oder Hardware-Veränderungen versehen worden sind?
  • Unpraktisch: SIM-Tausch (neben Handytausch) führt zu neuer Rufnummer - die muss an Freunde jedesmal neu mitgeteilt werden
  • Telefonnummern von Freunden aus/im Kurzspeicher müssen manuell übertragen werden. Auch die Speicherung von (meistens maximal 100) Rufnummern auf der SIM-Karte ist keine Lösung, da ja auch diese gewechselt werden soll.

4.  Randbedingungen


  • Handys können auch ohne SIM-Karten sensible Daten enthalten: SMS-Eingänge/-Ausgänge/-Entwürfe, gespeicherte Rufnummern etc. - die Mitmachenden müssen deutlich darauf hingewiesen werden, dass Sie darauf achten!

5.  Vorläufiges Fazit der Überlegungen


  • Schwierig für Alltagspraxis
  • Aber: Symbolcharakter und relevant für Argumentation der Unwirksamkeit von VDS
  • Sinnvoll z.B. im überschaubaren Rahmen, z.B. für Demo-Orgas, Ermittlungsausschüsse
  • Sinnvoll evtl. auch als Bauchladen oder Handytauschbörsenstand auf Festivals, Feten, Kongressen
  • Eventuell andere Möglichkeiten eruieren: Bestimmte Nokia-Handys erlauben die Variation der IMEI-Nummer etc.

6.  Warum das alles?


Trotz aller Mangelhaftigkeit des Ansatzes kann es durchaus Sinn machen, so eine Tauschbörse mindestens auf lokaler Ebene einzurichten.

Anfang Dezember 2013 wurde bekannt, in welchem enormen Ausmaß alleine die NSA weltweit Handy-Verbindungs- und Standortdaten sammelt und auswertet.

Was das bedeutet, hat Viktor Mayer-Schönberger in einem knapp 6 Minuten langen Interview mit dem Deutschlandfunk am 6.12.2013 sehr anschaulich erklärt, hier als MP3-Datei nachzuhören.

7.  Variante mit Internet


Die oben aufgeführten Grenzen der Wirksamkeit einer Tauschbörse sind offensichtlich, wenn man sich weiter auf das Telefonieren oder SMSen im Rahmen der GSM-Standards beschränkt. Das ist aber gar nicht nötig!

Die Möglichkeiten des Ansatzes lassen sich drastisch erweitern, wenn statt alter Handys mobile UMTS-Hotspots getauscht werden (bzw. neuere Handys, die als solche verwendet werden können).

  • Von Handy-Telefonie auf SIP umsteigen, das erlaubt das Führen einer regulären, mit Fest- und Handynetz erreichbaren Telefonnummer unabhängig vom GSM-Gerät (damit entfällt der entsprechende Einwand!)
  • Die Telefonnummer hat nichts mehr mit dem GSM-Gerät zu tun! Erreichbar bin ich immer, wenn die Internetverbindung (über den UMTS-Router) klappt.
  • Den UMTS-Router brauche ich nur einzuschalten (und damit ortbar zu machen), wenn gerade kein anderer Hotspot verfügbar ist.
  • Den Router nebst mit "Surf"-Tarif freigeschalteter SIM-Karte aus der Tauschbörse beziehen
  • Das eigentliche Telefonieren geschieht dann über ein zweites Handy, möglichst mit freiem Betriebssystem (zur Zeit Replicant).

Der Router ist also nur ein Zugangsgarant und hat nichts mehr mit der Telefonnummer zu tun. Die Telefonie-Ebene ist, wenn man es richtig macht, von der VDS unerreichbar. Das eigentliche Endgerät ist beliebig wählbar und braucht nicht getauscht zu werden. Das ist die einzige Art, wie die Tauschbörse angesichts ausgefeilter Massenspionage noch ihren Zweck erfüllen kann!

Es genügt also ein mobiler Internetzugang, um sehr viel mehr (ausbaubare!) Möglichkeiten zu haben. Besonders schön: im Internet gibt es, anders als im GSM-Netz, echte Anonymisierungsmöglichkeiten, die ohne das (potentiell gefährliche, s.o.) Tauschen von (ohnehin unsicheren) Endgeräten auskommen. Unverschlüsselte SMS sind passé. Die Kommunikation kann nun nach und nach sicherer gestaltet werden, etwa mit ZRTP. Verschlüsselung und weitere Anonymisierung liegt nun in der Hand der NutzerInnen, wo sie hingehören.

Grenzen dieses verbesserten Ansatzes:

  • Internet-Datentarife sind teuer und Datenströme werden willkürlich gedrosselt, damit die Kunden nicht merken, dass die GSM-Telefonie dadurch obsolet ist ...
  • Registrierungs-Ärger bleibt, aber eventuell kann man (bis der unfaire und mittelalterliche gesetzliche Registrierungszwang gekippt ist) die ganzen Karten über die Postadresse eines eingetragenen Vereins anmelden
  • Erreichbarkeit bedeutet weiterhin Ortung

Um das letzte Problem zu mildern, lässt sich die Idee weiterspinnen: Wer einen solchen Router aus der Tauschbörse holt, könnte wiederum für alle Mitreisenden ein offenes WLAN mit Internet-Uplink aufspannen. Geschieht dies auf sachverständige Weise (will heißen per VPN), so kann der Betreiber dies nicht feststellen (falls der Tarif nur "surfen" mit "einem Gerät" o.Ä. vorsieht). Das könnte z.B. zu Beginn einer Zugfahrt mit einem Laptop geschehen. Wird dies üblich, so wird ein "Nutzungsereignis" in der VDS bzw. den NSA-Programmen noch schwerer auszuwerten.

Zusammenfassend: das Internet ändert das Spiel und macht Tauschbörsen interessanter. Lasst uns sie wieder aufleben lassen!

Kategorie(n): Vorratsdatenspeicherung

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Zuletzt geändert am 27.10.2016 10:46 Uhr